Sylter Waterküken — ganz schön klein und ganz schön teuer!

160.000€ pro Quadratmeter ist ein stolzer Preis für eine Immobilie. Diese Immobilie könnte in Bezug auf den Quadratmeterpreis vielleicht die teuerste Immobilie der Welt sein. Dennoch kostet sie „nur“ 4,8 Millionen Euro. Das ganz schön teure Haus ist nämlich etwa 30 Quadratmeter groß.

Ein Häuschen auf Sylt
Waterküken nennt sich das in Bezug auf den Wohnraum bescheidene Häuschen in Kampen auf der Insel Sylt, das ganz plötzlich im August 2009 Redakteure so großer Zeitungen und Magazine wie „Spiegel“ und „Welt“ zu Artikeln animierte. Der Grund: 4,8 Millionen Euro soll das Waterküken kosten. Nicht gerade ein Schnäppchenpreis für ein Haus mit einer Wohnfläche, die von manch einer schlichten Studentenbude übertroffen werden dürfte. Was macht dieses Backsteinhäuschen mit seiner Miniküche und dem Schlafzimmer(chen) im ersten Stock derart wertvoll? Es könnte einerseits das 2.400 m² große Grundstück rund um das Häuschen sein. Allerdings bleiben 4,8 Millionen Euro dann immer noch eine ganze Menge Geld. Eventuell ist es auch die ruhige Lage, die wohltuende Einsamkeit verspricht, ist es die Nähe zum Meer, zu Wiesen und zum Watt? Oder vielleicht ist es ganz einfach auch Sylt, das den Preis ausmacht? Die Maklerin Monika Blume (Maklerbüro Engel & Völkers) wird in der „Welt“ mit der Aussage zitiert, der Markt in Kampen (Sylt) sei bis zu einem Preis von drei Millionen Euro leergefegt. Das würde dann bedeuten: Wer dort auf Sylt ein Haus erwerben möchte, muss wohl mehr investieren und bekommt dann eventuell… 30 Quadratmeter. Immobilienkrise? Sylt ist eine Insel und scheinbar gut abgeschottet!

Baugenehmigung – Fehlanzeige
Eigentlich war das Waterküken ja bereits verkauft. TV-Moderator Johannes B. Kerner hatte das Häuschen bereits erworben. Dann jedoch nutzte er eine Rücktrittsvereinbarung, weil er keine Baugenehmigung bekam, um es zu erweitern. Dreißig Quadratmeter waren ihm scheinbar dann doch etwas zu klein. Die Sache mit der möglichen Erweiterung ist allerdings noch nicht vom Tisch. Nach Informationen des Spiegels hat der Immobilienmakler Heinrich Haase, der das Waterküken verkaufen möchte, von den Behörden gefordert, doch noch eine Erweiterungserlaubnis für das Haus zu erteilen. Der Kreis Nordfriesland soll von dieser Forderung allerdings wenig begeistert sein. Würde sie dennoch erfüllt, so könnte der Kauf des Waterkükens nicht mehr nur für Singles oder verliebte Pärchen mit Ruhebedürfnis und prall gefülltem Portmonee interessant sein. Allerdings müsste das Portmonee sich dann noch etwas praller gefüllt präsentieren.

4,8 Millionen Euro – der Preis könnte weiter steigen
Haase plant dem Spiegel zufolge, das Waterküken bei erteilter Genehmigung nicht mehr für 4,8 Millionen Euro, sondern für 6,3 Millionen zu verkaufen. Die 1,5 Millionen Euro Zusatzeinnahmen soll er als Spende in Aussicht gestellt haben. Sylt ist schon eine verrückte Insel. Auf einer Tourismusseite wird übrigens ein ebenso großes Haus wie das Waterküken als Sylter Ferienhaus zur Miete angeboten. 65€ pro Tag soll der Aufenthalt zur Hochsaison kosten. Würde jemand 4,8 Millionen Euro für das Waterküken bezahlen, so müsste er das Häuschen zum selben Preis 73.846 Tage (etwa 202 Jahre) vermieten, um die Kosten wieder hereinzuholen. Bei einem Kaufpreis von 6,3 Millionen Euro dauert die Sache noch ein wenig länger. Das lohnt sich eher nicht. Dieses Waterküken ist wohl wirklich nur etwas für gut betuchte Liebhaber.

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