Krisenstimmung? Nicht bei potenziellen Hausbesitzern!

Über 1.000 Verbraucher wurden im Auftrag der comdirect bank von Forsa befragt; 44% von ihnen sehen im Moment günstige Zeiten für eine Investition in ein Haus oder eine Wohnung. Sind es wirklich günstige Zeiten?

Die Stimmung unter potenziellen Hausbesitzern ist gut
In Zeiten einer Finanzkrise kommt man vielleicht erst einmal nicht auf den Gedanken, dass allzu viele Menschen sich den Bau oder Kauf eines Hauses vorstellen könnten. Die Stimmung unter den potenziellen Hausbesitzern scheint jedoch gar nicht schlecht zu sein: Das Unternehmen Forsa befragt seit November 2008 im Auftrag der comdirect bank alle zwei Monate etwa 1.000 Menschen zu den Themen Thema Baufinanzierung und favorisierte Finanzierungsoptionen. Während im November 2008 nur 32% aller Befragten antworteten, die Zeit sei günstig für eine Immobilien – Finanzierung, waren es in der neuesten Befragung die erwähnten 44%: eine deutliche Steigerung.

Sind günstige Bauzinsen immer günstige Bauzinsen?
Ein Grund für die positive Einschätzung vieler Befragter könnte der momentan niedrige Bauzins sein, mit dem viele Banken locken. Tatsächlich sind Zinsen für Darlehen zurzeit scheinbar günstig; im Dezember musste man mit durchschnittlich 4,5% Bauzinsen rechnen. Einige von denen, die eine private Immobilie planen, können diesen Bauzins auch tatsächlich in Anspruch nehmen, sodass aus dem „scheinbar“ günstigen Baukredit ein günstiger Baukredit wird. Andere jedoch könnten enttäuscht werden; „Verwirrspiel mit Zinsaufschlägen“ titelte etwa die Onlineausgabe der Zeitschrift FOCUS am vierten Februar und verwies auf Beispiele, bei denen der Niedrigzins nur für private Bauherren gilt, die ihre Immobilie mit hohem Eigenkapital-Anteil finanzieren. Wer eher viel Geld aufnehmen muss, um seinen Traum vom eigenen Haus zu realisieren, der zahlt bisweilen weitaus höhere Zinsen. Die Zeit der niedrigen Bauzinsen scheint bei solchen Menschen nicht gegeben zu sein. Winkt hier dann doch die Finanzkrise?

Bausparen bleibt beliebt!

Glaubt man der Forsa-Umfrage, so bleibt das Bausparen der Deutschen liebstes Kind, wenn es um die Finanzierung von eigenen Immobilien geht. 52.2% der Befragten favorisierten diese Art der Finanzierung. Im vergangenen Jahr hatten die privaten Bausparkassen mehr Baugelder als je zuvor ausgezahlt: etwa 31 Milliarden Euro. Die Zeit ist also reif für Euphorie beim potenziellen Häuslebauer? Das dann wohl eher nicht! Wer allerdings gut und sorgfältig kalkuliert und dabei dennoch zum Ergebnis kommt, dass eine eigene Immobilie finanzierbar wäre, der sollte sich auch von Krisenzeiten nicht beeindrucken lassen.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Krisenstimmung scheint es bei den Häuslebauern ohnehin nie zu geben. Ich sehe es deutlich an meinem Kundenkreis und vor allem an denen die mich und meinen Kundenkreis belächeln – und hinterher angejammert kommen.

    Beim Kauf einer Waschmaschine wird mehr Sorgfalt auf die Auswahl verwendet als auf den Kauf und die Finanzierung eines Eigenheimes.

    Da werden schon mal ein paar hunderttausend Euro locker gemacht und irgendein Haus irgendwie irgendwohin gebaut. Nur um hinterher feststellen zu müssen dass man darin nie und nimmer die nächsten 30 Jahre leben kann, weil schon nach einem halben Jahr die Ehe kaputt geht und die Kinder Amok laufen…

    Dumm gelaufen, wenn man die 30 Jahre braucht um es abzuzahlen.

    Ich habe manchmal das Gefühl, je höher der Geldbetrag ist um den es geht desto weniger wird nachgedacht.

    Gerhard Zirkel

  2. Herr Zirkel,

    Sie wissen doch, die Emotionen sind bei Immobilien in der Regel wesentlich relevanter als bei Waschmaschinen. Hier geht es um die gemeinsame Zukunft. Bei Waschmaschinen spielt das eher weniger eine Rolle. Emotionen verändern die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Und somit schließt sich der Kreis. Ist Feng Shui da der richtige Ansatz 😉 ?

    M. Kirchner

  3. Das Problem bei einer Immobilie ist tatsächlich dass es um die gemeinsame Zukunft geht. Dummerweise wird die zu einem großen Teil von der gemeinsamen Umgebung bestimmt – also dem Haus.

    Das Haus bestimmt mitunter darüber, ob die Besitzer zusammenbleiben oder nicht, ob sie es abzahlen können oder nicht. Ohne dass diese Wechselwirkung sichtbar oder bewusst wahrnehmbar wird.

    Das ist ein psychologischer Zusammenhang, der hierzulande leider nur wenig erforscht ist. Aber immerhin weiß man, dass wir Menschen bis zu 95% von unserem Unterbewusstsein gesteuert werden.

    Dieses wiederum reagiert auf alles was es wahrnehmen kann – also auch auf die eigenen vier Wände. Die haben großen Einfluss auf unser Leben.

    Dennoch verwenden viele Häuslebauer immer noch mehr Sorgfalt auf die Auswahl des Parkettbodens, anstatt sich um die wichtigen Dinge – nämlich Standort und Grundstruktur des Hauses zu kümmern.

    Oder warum habe ich sonst so viele Kunden mit Problemen im Eigenheim die ich in der raumpsychologischen Berechnung der Baustruktur des Hauses wiederfinde?

    Dabei fällt eine raumpsychologische Planung im Vergleich zu den Gesamtkosten kaum ins Gewicht.

    Gerhard Zirkel

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