Es wird enger in den Büros Europas

Laut einer Studie des Unternehmens Cushman & Wakefield (C&W) wird es enger in europäischen Büros, da die durchschnittliche Bürofläche pro Mitarbeiter sinkt. Wird es vielleicht irgendwann zu eng, um optimale Arbeit der Mitarbeiter zu gewährleisten?

Die Cushman & Wakefield – Studie
„European Landlord & Tenant Survey 2009“ heißt die eingangs erwähnte Studie von Cushman & Wakefield. Für die Studie wurden insgesamt 750 Vermieter und Mieter von Büroflächen in ganz Europa befragt. Vier von zehn der befragten Mieter gaben dabei an, Büroflächen bereits verdichtet zu haben, sodass Mitarbeiter auf engerem Raum zusammenarbeiten. Etwa ein Drittel der Befragten möchte im kommenden Jahr Büroflächen verdichten. In konkreten Zahlen ausgedrückt sank die durchschnittliche Bürofläche pro Mitarbeiter in Europa von 12,8 m² auf 12,4 m², was erst einmal nicht nach großen Unterschieden klingt. Allerdings sind zwischen den einzelnen Staaten Unterschiede erkennbar: Während etwa Mitarbeiter in Westeuropa einen durchschnittlich 13,7 m² großen Arbeitsplatz besitzen, sind es in Großbritannien durchschnittlich nur 11,6 m² Arbeitsfläche pro Mitarbeiter. In Deutschland — so die Studie — besitzen die Mitarbeiter in knapp über der Hälfte der befragten Unternehmen Büroflächen, die über dem europäischen Durchschnitt liegen. Hierzulande dominieren Einzelbüros, während das Großraumbüro und Kombinationen aus Großraum- und Einzelbüros seltener als im europäischen Durchschnitt anzutreffen sind. Aus Sicht von Cushman & Wakefield (C&W) gibt es gerade in Deutschland noch Potenzial, um die Flächeneffizienz von Büros zu erhöhen.

Kleinere Flächen pro Mitarbeiter sind immer gut?
Wer Flächeneffizienz sinnvoll steigern möchte, darf andere Studien nicht außer Acht lassen. Dass etwa Großraumbüros krank machen können, ist etwa das Ergebnis einer Studie von Forschern rund um den australischen Wissenschaftler Vinsh Oommen. Reizüberflutung, Identitätsverlust, niedrige Produktivität seien Probleme der Mitarbeiter in derartigen Büros. Insbesondere Letzteres dürfte eventuell auch dem Geschäftsführer zu denken geben, der ein Großraumbüro für seine Mitarbeiter plant und dabei die Bürofläche möglichst „effizient“ einteilen möchte. Glaubt man der australischen Studie, dann dürfte ein Großraumbüro, in dem Mitarbeiter noch enger zusammenrücken, die in der Studie erwähnten Probleme noch steigern. In Deutschland mag Potenzial für eine Verringerung der Büroflächen für Mitarbeiter gegeben sein, um Flächenkosten zu sparen. Entscheiden sollte man solche Dinge aber nur mit Blick auf die Gesamtsituation und auf mögliche Folgen abseits der Kostenreduktion für Büroflächen. Wenn diese Kosten sinken, gleichzeitig aber auch die Produktivität pro Mitarbeiter sinkt, vielleicht in viel stärkerem Maße, dann ist nichts gewonnen: im Gegenteil!

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Wer konsequent raumpsychologische Zusammenhänge beachtet, kann auch ein „enges“ Büro auf optimale Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter auslegen.

    Sogar Büros mit Großraumcharakter lassen sich, mit den passenden Methoden, so auf die dortigen Mitarbeiter auslegen, so dass die Effizienz steigt, während sich die Bürofläche verringert.

    Wer diese Zusammenhänge nicht beachtet und seine Mitarbeiter einfach irgendwie in irgendein Büro setzt, kann noch so viel Fläche haben und wird nichts erreichen.

    Gerhard Zirkel

  2. Natürlich haben Sie Recht, dass eine gute Arbeitsatmosphäre durch ein Zusammenspiel verschiedenster Kriterien entsteht und dass das Kriterium „Fläche“ an Bedeutung verliert, wenn andere Kriterien dafür umso stärker beachtet werden. Ich fürchte aber, dass einige Verantwortliche in den Betrieben aufgrund der Finanzkrise den Fokus allzu sehr auf schnelle Kostenreduzierung legen und dabei mittelbare Folgen außer Acht lassen, die vielleicht kurzfristige Erfolge bei der Kostensenkung wieder zunichte machen.

    Auch ich denke, ein Großraumbüro ist nicht per se schlecht, wenn es richtig gestaltet wird. Aber ich fürchte einfach, das Thema der richtigen Gestaltung spielt im Moment eine eher untergeordnete Rolle.

  3. Das Thema spielte schon immer eine untergeordnete Rolle – warum nehmen die psychischen Erkrankungen hierzulande wohl so rapide zu?

    Manche Unternehmen haben halt immer noch nicht begriffen, dass das richtige Gebäude mit der richigen Raumnutzung bares Geld bringt – und nicht in ferner Zukunft sondern von Anfang an.

    Denn die Menschen machen das Geld, nicht das Produkt oder der Investor oder die Aktien …

    Gerhard Zirkel

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