Deutschlands Eigenheime — Preisknüller im europäischen Vergleich?

215.000€ kostete der Kauf eines Eigenheims in Deutschland im Herbst 2008 im Durchschnitt, meldete LBS Research Anfang Dezember 2008; das ist auch im Vergleich mit einigen Nachbarstaaten Deutschlands ausgesprochen preiswert.

Wer im Herbst 2008 ein Eigenheim in Belgien kaufen wollte, musste durchschnittlich 314.000€ bezahlen und damit fast 100.000€ mehr als in Deutschland. Ältere deutsche Grenzbewohner in der Nähe zu Belgien und den Niederlanden werden sich an die 90er Jahre zurückerinnern, in denen für Deutsche Belgiens Immobilien in Grenzregionen attraktive Kaufobjekte waren. 1990 — so die Internetseite Grenzgänger.NRW.de — pendelten nur 2.300 Menschen zwischen Belgien und Deutschland hin- und her. Im Jahr 2001 waren es bereits 7.000 Menschen, die im einen Land wohnten und im anderen arbeiteten, wobei 6.300 dieser Menschen ihren Wohnort in Belgien besaßen und zur Arbeit in Deutschland pendelten. Die meisten davon waren — so Grenzgänger.NRW.de — Deutsche mit Wohnsitz in Belgien. Kehrt sich der Trend nun um? Kommen vielleicht Belgier nach Deutschland, um hier preisgünstigere Immobilien zu erwerben als in ihrem eigenen Land?

Wie jede Statistik hat natürlich auch der Ländervergleich von LBS Research seine Tücken, weil regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands verwischt werden. Schaut man sich durchschnittliche Eigenheimpreise einzelner Städte in Deutschland an und verwendet dafür erneut Material von LBS Research, dieses Mal die LBS-Broschüre „Markt für Wohnimmobilien 2008“, so werden große Unterschiede deutlich. Für Aachen als Grenzstadt zu Belgien und den Niederlanden wird in der Broschüre bereits als häufigster Eigenheimpreis ein Preis von 240.000€ verzeichnet. Am teuersten sind laut Zahlenmaterial der LBS Eigenheime in Stuttgart und Wiesbaden mit einem meistgenannten Preis von 450.000€, während in Bremerhaven Niedrigstpreise von 110.000€ verlangt werden. Wer also etwa nahe Stuttgart ein Eigenheim kaufen möchte, mag den Ländervergleich wie Hohn empfinden.

Spannend bleiben auch der Blick auf die gesamtdeutsche Preisentwicklung bei Eigenheimen in der Zukunft und der Blick darauf, welchen Einfluss beispielsweise gesetzliche Forderungen in Bezug auf Energieeffizienz von Immobilien haben. Einige davon können zukünftig ja auch abseits von ohnehin geplanten Um- und Anbau- sowie Sanierungsmaßnahmen der Hausbesitzer durchgesetzt werden. „Instandhaltungsstau bei 28 Prozent aller Einfamilienhäuser“ und „hohen Modernisierungsbedarf im Energiebereich“ verzeichnete ein DEKRA Marktbericht zu Einfamilienhäusern in Deutschland aus dem April 2008. Rund 4.000 Immobilienbewertungen von Einfamilienhäusern wurden für den Marktbericht untersucht. Instandhaltungsstaus dürften sich nicht unbedingt positiv auf den Wert einer Immobilie auswirken.

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