Taugt eine Bürostadt als Wohnumgebung?

Es gibt Gegenden, in denen möchte man einfach nicht wohnen. Ob die Bürostadt Frankfurt-Niederrad dazu gehört, darüber wird derzeit bei Stadtplanern gestritten.

Die Bürostadt Frankfurt-Niederrad
Insgesamt etwa 144 Hektar groß ist sie, die Bürostadt Frankfurt-Niederrad. Hier stehen Hochhäuser wie die beiden 1972 errichteten Olivettitürme oder das 1990 fertig gestellte Atricom Hochhaus mit verglastem Eingangsbereich, der etwas Grün und auch der Kunst Raum bietet. Tag für Tag kommen etwa 25.000 Pendler in die Bürostadt, um hier ihrer Arbeit nachzugehen. Haben sie Feierabend, so verlassen die das Areal, das dann nahezu verwaist. Für dauerhaftes Leben scheint die Bürostadt derzeit nicht gemacht zu sein. Das allerdings soll anders werden.

Aus Bürohaus wird Mischhaus
Der Architekt Stefan Forster möchte ein mittlerweile nicht mehr genutztes 14-stöckiges Bürohaus zum Wohnhaus umfunktionieren. Etwa 15,4 Millionen Euro soll das Projekt kosten, bei dem das Hochhaus drei zusätzliche Etagen bekommt. Während im Erdgeschoss Gewerbebetriebe arbeiten sollen, würden die oberen Stockwerke Platz für insgesamt 98 Wohnungen mit überwiegend zwei oder drei Zimmern bieten. Das Haus selbst soll vergrößerte Glasflächen bekommen und sich durch die Neugestaltung weg bewegen von reiner Funktionalität. Foster selbst bezeichnet seine Aufgabe als nicht einfach, da Vorschriften aus Bereichen wie Wärmedämmung und Schallschutz beachtet werden müssen. Und so wird die Neugestaltung wohl in einen kompletten Umbau ausarten. Derzeit wird das Gebäude entkernt, fertig werden soll es 2010.

Geburtsplanung für ein neues Viertel
Die Umwandlung könnte der Beginn einer Umwandlung der gesamten Bürostadt werden. Geplant ist, aus dem reinen Gewerbegebiet ein Stadtviertel mit Mischnutzung zu machen. Das könnte Gebot der Stunde sein: Von den Bürohäusern in Frankfurts Bürostadt stehen derzeit viele leer, zugleich bleibt die Suche nach citynahem Wohnraum groß. Das neue Viertel würde hier bestenfalls zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. „Lyoner Viertel“ heißt das Konzept, mit dem dieses Kunststück gelingen soll. Bald sollen also Cafes neben Büros stehen, sollen Grünflächen zum Spielen einladen, Geschäfte zum Shopping. Noch scheint schwer vorstellbar, was da geplant ist, und nicht jeder glaubt, dass die Umwandlung wirklich gelingen kann. Fantasie, gute Konzepte und eine solide Finanzierung haben jedoch schon manches bewegt. Die ersten Bewohner des neuen Viertels werden dennoch Pioniergeist aufbringen müssen. Das neue Viertel mit seinen Cafes und Geschäften dürfte kaum fertig gestellt sein, wenn die ersten Menschen in das neu gestaltete Wohnhaus einziehen. Aber Pioniergeist soll ja noch immer nicht ganz ausgestorben sein. Und geht alles nach Plan, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis aus einem eher kalten Gewerbegebiet ein liebenswertes und warmes Stadtviertel wird.

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