Shoppingcenter — vom Vorteil des Nicht-Bauens

Der Bau von Shoppingcentern war noch vor nicht allzu langer Zeit etwas, in das gerne und oft investiert wurde. Glaubt man den Forschern des Immobilien-Dienstleistungsunternehmens Savills, so könnten neue Bauvorhaben für diese Center aber in Zukunft rapide abnehmen. Das muss jedoch nicht zwangsläufig stets Nachteile bedeuten.

Das Wachstum der Shoppingcenter und die Finanzkrise
Im September 2009 brachte die EHI Retail Institute GmbH ihren Shopping-Center-Report heraus. Nach Angaben des Instituts gab es 1990 in Deutschland 88 solcher Center. 18 Jahre später war die Zahl auf 399 angewachsen. Aber nicht nur in Deutschland verzeichneten die Einkaufszentren einen Boom. Eine Studie des Unternehmens RegioPlan Consulting ging Ende 2008 von zwölf Millionen Quadratmetern Shoppingcenterfläche in den Ländern Osteuropas aus; 14,5 Millionen Quadratmeter sollen in Planung gewesen sein. Nun jedoch hat die Finanzkrise große Teile der Welt im Griff, was auch den Bauboom bei den Shoppingcentern in Europa einzudämmen scheint. Die Immobilien-Dienstleister von Savills rechnen jedenfalls bereits jetzt für 2009 mit einem Rückgang der Shoppingcenter-Neubauvorhaben zwischen 20 und 60 Prozent. Gleichzeitig beobachtet das Unternehmen seit Ende 2008 einen Abwärtstrend der Mieten in Shoppingcentern und Fachmarktzentren. Die Mieten in Toplagen, das heißt, in Einkaufscentern, die in einem günstigen Umfeld liegen, seien auch in deutschen Städten weitgehend stabil geblieben. So genannte „B“-Lagen würden jedoch unter Druck geraten.

Braucht jede Stadt ein Einkaufscenter?
Das könnte dann eventuell bedeuten, dass so mancher Einkaufscenter-Traum einer mittelgroßen Stadt in Deutschland zerplatzen könnte. In Fürth beispielsweise ist das Einkaufscenter „Neue Mitte“ mittlerweile vom Tisch. Das lag in diesem Fall weniger am Unwillen der Investoren, sondern eher am Widerstand von Denkmalschützern und Teilen der alteingesessenen Einzelhändler. Einkaufscenter können wertvolle Ergänzung sein und auch dem bestehenden Einzelhandel Vorteile bringen. Sie können aber auch Kunden weglocken von bereits bestehenden Einkaufsmöglichkeiten. Das dürfte dann ganz schnell Probleme für den bestehenden Einzelhandel bringen, zumal die Umsätze des Einzelhandels nach Angaben von Savills europaweit in den letzten zwölf Monaten um 1,4% gesunken sind. Vielleicht ist der Nicht-Bau eines Einkaufscenters deshalb auch die Chance, einmal generell zu fragen, ob tatsächlich jede Stadt eins dieser Center braucht. Vielleicht ergibt sich durch den Nicht-Bau auch eine Chance? Die Chance auf Rückbesinnung auf das, was bereits vorhanden ist? Auf alteingesessenen Einzelhandel? Auf vorhandene Infrastruktur, die vielleicht nur passend um- oder ausgebaut werden muss? In Fürth ist genau das jetzt geplant: eine «Revitalisierung» bestehender Einkaufstraßen. Vielleicht zeigt die Zukunft ja, dass dies der bessere Weg war.

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