Einkaufszentren – Flops oder Segen für die Städte?

Von stabilen Umsätzen in eigenen Einkaufszentren in Deutschland berichtet der Projektentwickler ECE in der Onlineausgabe der Zeitung Welt vom zwölften März 2010. „Einkaufszentren florieren auch in Krisenzeiten“ betitelte die Zeitung deshalb ihren Artikel. Das klingt wie das Allheilmittel für Städte mit verwaisten Innenstädten. Aber ist das wirklich so?

Einkaufszentren in der Analyse

Eine Analyse des GeoMarketing-Anbieters GfK GeoMarketing lässt zumindest Zweifel aufkommen. 38 Prozent der untersuchten Einkaufszentren erweisen sich laut Studie für Investoren als Flop. Und ob Einkaufszentren, die aus Investorensicht versagen, gut für die jeweiligen Standorte sind, bleibt zumindest fraglich. GfK GeoMarketing untersuchte insgesamt 223 Einkaufszentren mit einer Größe ab 10.000 Quadratmetern. 85 dieser Zentren boten den Investoren keine zufriedenstellenden Einnahmen. Das soll – so die Analyse – in 56% der Fälle beispielsweise am Mieter- und Branchenmix liegen. Falsche Größen- und Standortwahl soll in jeweils 48% der Fälle ein Grund für die aus Investorensicht zu niedrige Verkaufsflächenproduktivität sein. Sie wird in Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche gemessen. Als Flops erweisen sich laut GfK GeoMarketing vor allem kleinere Einkaufszentren mit einer Größe zwischen 10.000 und 15.000 Quadratmetern.

Was bedeutet das für die Standorte?

Welt Online schreibt von mittlerweile knapp 430 Einkaufszentren in Deutschland und von einer Zunahme von etwa 400% innerhalb von zwanzig Jahren. Oft genug gilt das Einkaufszentrum als Heilmittel, um Städte zu beleben. Gleichzeitig herrscht bei bestehendem Einzelhandel der Städte bisweilen Furcht, dass ein Einkaufszentrum ihre Umsätze deutlich senkt, was deren Befürworter dann stets verneinen. Sie sprechen von einer Sogwirkung der Zentren, die auch dem bestehenden Einzelhandel Vorteile bringt. Genau deshalb entscheiden sich Kommunen mitunter für kleinere Varianten der Center. Zu klein scheint jedoch auch nicht die richtige Lösung zu sein. Bei Einkaufszentren ab einer Größe von 40.000 Quadratmetern sind laut GfK Geomarketing-Studie nur siebzehn Prozent der Investoren unzufrieden. Vielleicht bleibt festzuhalten: Einkaufszentren, die Investoren nicht zufriedenstellen, können auch die Städten und Gemeinden nicht zufriedenstellen. Aber nicht jedes Einkaufszentrum, das Investoren begeistert, ist auch gut für die Städte und Gemeinden?

Im Zweifel gegen eine Standortwahl

Dem Mieter- und Branchen-Mix scheint eine wichtige Rolle für den Erfolg von Einkaufszentren zuzukommen. „Richtig“ bedeutet für Investoren attraktiv für potenzielle Kunden und Zentrenbesucher. Für Städte und Gemeinden bedeutet es mehr. Für sie muss der Mieter- und Branchen-Mix ebenso wie die Größe der Einkaufszentren so gestaltet werden, dass beides attraktiv für potenzielle Kunden des Einkaufszentrums wird und dass zugleich kein zu starker Konkurrenzdruck zwischen bestehendem Handel und Einkaufszentrum entsteht. Dazu ist vor Bau des Einkaufszentrum eine umfassende Standortanalyse nötig. Bestenfalls wird das Zentrum so in die Innenstadt integriert, dass dem Besucher einfache Wege zwischen Einkaufszentrum und bestehendem Einzelhandel geboten werden und dass beide Seiten profitieren. Einkaufszentren müssen Investoren Erfolg bringen. Und ihren Standorten. Im Zweifelswahl sollten sich die einen oder die anderen vielleicht lieber gegen eine Standortwahl entscheiden.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ich denke die Einkaufszentren sind einfach nur einer Neugestaltung der Einkaufsform… Kleine Läden werden auf kurz oder lang verschwinden. Der Erfolg der Einkaufszentren zeigt ja das sich hier deutlich mehr Umsatz generieren lässt.

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