Einsturz des Kölner Stadtarchivs — und wer trägt jetzt die Schuld?

Um es gleich vorweg zu nehmen, endgültige Antworten werden Sie auch in diesem kleinen Artikel vergeblich suchen. Dafür reicht das, was man bisher über die Verantwortlichkeiten weiß, noch nicht aus.

Fakt ist, dass zwei Menschen gestorben sind und zumindest möglich ist es, dass die Grundwasser-Entnahme beim Bau der neuen Kölner U-Bahnstrecke die Ursache für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs mit unzähligen Antiquitäten ist. Nun geht es darum, einzuschätzen, welche Gefahren für wen zu welchem Zeitpunkt erkennbar gewesen wären. Keine leichte Aufgabe.

Kurzer Rückblick!
Am dritten März 2009 gegen 14 Uhr stürzte das Historische Stadtarchiv im Kölner Severinsviertel ein, weitere Häuser wurden schwer beschädigt. Anhaltender Regen machte die Suche nach Vermissten schwierig; schließlich wurde speziell nach zwei Vermissten gesucht, die nach vielen Tagen Suche nur noch tot geborgen werden konnten. Als Ursache für den Einsturz kam recht schnell der nahe gelegene U-Bahn-Bau ins Gespräch, der Bau der neuen Nord-Süd-Bahn Kölns. Bis auf den heutigen Tag ist ein Zusammenhang nicht zweifelsfrei erwiesen, aber er ist wohl wahrscheinlicher geworden.

Warnungen
Wiederum Fakt ist, dass beim U-Bahn-Bau nahe dem Stadtarchiv mehr Brunnen als erlaubt mehr Wasser als erlaubt abgepumpt haben, um die Baustelle grundwasserfrei zu halten. 15 statt vier Brunnen waren es, die bis zu 750 Kubikmeter Wasser statt der erlaubten 450 Kubikmeter pro Stunde abgepumpt haben. Letzteres soll bereits seit Dezember 2008 regelmäßig geschehen sein. Dokumentiert wird das in so genannten Brunnenprotokollen, die pro Quartal erstellt und an die Obere Wasserbehörde weitergeleitet werden mussten und die nun ausgewertet werden. Für das letzte Quartal 2008 müsste ein solches Protokoll demnach vorgelegen haben und die Frage drängt sich auf, warum niemand reagiert hat? Konnte es niemand, aus welchen Gründen auch immer? Hat es einfach nur niemand gemacht? Wie gesagt, dass das verstärkte Abpumpen des Grundwassers den Einsturz verursacht hat, ist bisher nichts Erwiesenes. Sollte der Nachweis allerdings irgendwann vorliegen, dann dürften die Brunnenprotokolle weiter an Brisanz gewinnen. Die Süddeutsche Zeitung bringt derweil ein Gutachten des Aachener Hochschul-Instituts für Geotechnik im Bauwesen vom Herbst 2008 ins Spiel. Von unsicheren Statikberechnungen beim U-Bahn-Bau ist da die Rede. Der Stadt sei das Gutachten nicht bekannt gewesen, sagte der Baudezernent Kölns, Bernd Streitberger. Falls das Gutachten Recht hat, wäre es allerdings auch viel schlimmer, dass das, was im Gutachten moniert wurde, der Stadt möglicherweise ebenfalls nicht bekannt war: die unsichere Statik eines Großbaus!

Haben Projektverantwortliche Projektverantwortung?
Wir können noch immer nicht darüber berichten, wer nun welche Verantwortung am Einsturz des Kölner Stadtarchivs trägt. Die Stadt? Die Kölner Verkehrsbetriebe? Die den Bau ausführenden Unternehmen? Sollte der Schwarze Peter bei den ausführenden Unternehmen hängen bleiben, so bleibt allerdings die Frage: Heißen Projektverantwortliche nicht Projektverantwortliche, weil sie für ein Projekt die Verantwortung tragen? Wie viel Kontrolle darf/muss/soll der Verantwortliche ausüben, wie viel Vertrauen darf er haben? Bereits 2004 geriet ja ein Kirchturm im Kölner Severinsviertel aufgrund des U-Bahn-Baus in Schieflage. Hätte das nicht Warnung genug sein müssen? Es sind wirklich keine einfach zu beantwortenden Fragen, die derzeit in Köln aufkommen.

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