Aachen Campus — bis zu 10.000 neue Jobs und die Suche nach Wohnraum

Dass große Bauprojekte Städte teils deutlich verändern, ist wohl eine Binsenweisheit. Wenn große Bauprojekte in einer Stadt mit knapp 260.000 Einwohnern noch dazu bis zu 10.000 neue Arbeitsplätze schaffen, könnten die Veränderungen beispielsweise auf dem Wohnungsmarkt aufgrund zahlreicher neuer Einwohner beträchtlich sein. Solch ein Bauprojekt ist der erweiterte Campus der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Gut möglich, dass das durch den neuen Campus sowohl Immobilienpreise als auch Mieten in Aachen anziehen lässt. Auf jeden Fall heizt er die Suche nach Wohnraum in Aachen an.

150 neue Firmen, 10.000 neue Arbeitsplätze

Campus Melaten und Campus West heißen die geplanten beiden neuen Areale der RWTH. Insgesamt 473.000 Quadratmeter groß ist die Gesamtfläche, auf der Hochschulgebäude, Büros, Labore, Tagungs- und Seminarräume sowie Geschäfte und Restaurants gebaut werden sollen. Spatenstich für das Projekt Campus Melaten war am achtzehnten Februar. Durchführende Organisation ist die RWTH Aachen Campus GmbH, die zu 95% der Hochschule und zu fünf Prozent der Stadt Aachen gehört. 750 Millionen Euro soll das Projekt voraussichtlich kosten und der Projektabschluss ist für 2015 geplant. Bis zu 10.000 Menschen werden dann zusätzlich in Aachen arbeiten, etwa 150 Firmen werden sich auf dem neuen Campus ansiedeln.

Prognose — Steigende Immobilien- und Mietpreise in Aachen

Bis zu 10.000 Menschen sind nicht wenig. Auch, wenn anzunehmen ist, dass nicht alle neu in Aachen arbeitenden Menschen auch eine Wohnung in der Stadt benötigen, dürfte der Wohnungsbedarf in Aachen durch das Großprojekt steigen. Herbert Ernst, etablierter Immobilienmakler in Aachen, prognostizierte deshalb in der Aachener Lokalzeit des Westdeutschen Rundfunks (WDR) insbesondere im Aachener Süden steigende Immobilienpreise. Dort — so Ernst — liegen die Quadratmeterpreise derzeit bereits bei 500 Euro. Herbert Ernst vermutet zudem eine verstärkte Zweiteilung der Stadt; derzeit liegen die Quadratmeterpreise im Norden der Stadt um etwa 200 Euro niedriger als im Süden. Die Unterschiede könnten sich ausprägen. Eine Gettoisierung der Stadt befürchtet Günther Maetschke vom Haus- und Grundbesitzerverein Aachen dennoch nicht. Laut seiner Aussage in der Lokalzeit des WDR wird das Großbauprojekt allerdings nicht nur Immobilienpreise, sondern auch die Mieten ansteigen lassen und das im gesamten Stadtgebiet. Seiner Ansicht nach reicht der verfügbare Wohnraum in Aachen derzeit gerade noch für den Bedarf aus, der allerdings ansteigen dürfte. Insbesondere kleinere Wohnungen für Studenten sind bereits jetzt stark gefragt. Die RWTH Aachen ist als Hochschule beliebt. 2007 wurde sie als eine von sechs Hochschulen in Deutschland zur deutschen Eliteuniversität gekürt.

Die Suche nach neuem Wohnraum

Die Stadt macht sich Gedanken, wie der Wohnungsbau sich auf das Wachstum der Arbeitsplätze in Aachen einstellen kann. Sie muss es tun, um nicht plötzlich von einer steigenden Wohnungssuche überrascht zu werden. Diskutiert wurden Ideen beispielsweise in einer von der RWTH, der Initiative Aachen und den Aachener Nachrichten veranstalteten Gesprächsrunde. Auf dem Campus selbst — so ein Fazit — wird wohl definitiv nicht Platz für alle sein. Diskutiert wurden daher etwa ein neues Stadtviertel an Aachens Westbahnhof, eine Verdichtung der Innenstadt, Neuerschließungen im Aachener Norden oder auch ein Abwandern neuer Einwohner ins nahe gelegene niederländische Heerlen. Die Diskussion zeigt, dass Ideen existieren, ein fest stehendes Konzept aber noch nicht gefunden wurde. Das wird jedoch geschehen müssen. Der neue Aachen Campus entsteht nicht im leeren Raum. Und Großprojekte machen mitunter viele kleinere nötig. Nicht nur in Aachen.

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